Interview mit einem WoW-Süchtigen – Der Entzug und Liebesgrüße aus Azeroth
An seine letzten Tage in WoW kann sich Michael noch sehr gut erinnern. Doch auch lustige Episoden fallen ihm aus seiner aktiven Spielerzeit noch ein. Am Ende war er um ein paar Euro und viele Erfahrungen reicher. Das er den Ausstieg schaffte, verdankte er jedoch weder seinen Eltern noch seinen Freunden.

Irgendwann war es soweit. Seine Eltern wollten raus aus der alten Wohnung, welche Sie und Michael bewohnten. Für Michael stürzte schon damals eine Welt zusammen. Dass dies nur indirekt mit dem Umzug zusammenhing, erklärte er wie folgt. „Mir war bekannt, dass es in der neuen Wohnung kein DSL-Anschluss geben würde. Zwar teilte uns der Provider mit, dass man daran arbeitete, doch ist in den nächsten Wochen nicht damit zu rechnen.“ Bis zum Schluss, saß er vor seinem Rechner in der alten Wohnung und verbrachte seine Zeit in WoW. „Am Ende gab es in der Wohnung nur noch eine Matratze, meinen PC und mich. Meine Eltern mussten mich förmlich aus der Wohnung rausprügeln und ich denke, damals merkten sie das Erste mal, dass irgendetwas nicht stimmte.“ Mehrere Tage vergrub sich Michael daraufhin in sein Kopfkissen und wässerte dies mit seinen Tränen. „Es war wie als ob meine erste Freundin mit mir Schluss gemacht hätte. Ich konnte einfach nichts mehr außer heulen. Ich vermisste die Startmusik von WoW, welche mir immer ein gutes Gefühl gab. Ich vermisste die Gilde, mit der ich soviel Zeit verbrachte. Doch am Meisten vermisste ich meine Druidin und fragte mich immer, was diese ohne mich jetzt anstellen sollte.“
Drei Monate später kam dann endlich die Mitteilung des Providers, dass jetzt ein DSL Anschluss möglich wäre. Zu spät für Michael. In der Zwischenzeit hatte er sich komplett aus WoW verabschiedet und sich anderen Dingen zugewandt. An dem Tag an den er das erste Mal seit seinem Umzug wieder in das Universum eintauchte, begann er damit, aktiv darüber nachzudenken was er jetzt mit seinem Charakter unternehmen möchte. Zum Schluss verkaufte er ihn und den Key für die Beta von „Burning of Crussade“ für 230 Euro bei Ebay. „Viele WoW Spieler denken, dass man mit dem Spiel Geld verdienen kann. Man puscht seinen Charakter nach oben und verkauft diesen anschließend. Wenn ich jedoch sehe, dass ich nur sowenig Geld für einen Top-Charakter bekam und mir hochrechne wie viel Zeit ich in WoW verbrachte, war dies für mich ein Minusgeschäft.“
Zurückblickend erinnert sich Michael jedoch auch an ein paar witzige Episoden aus seiner aktiven Spielerzeit. „Da war dieses Mädchen, eine Freundin von einem Freund von mir. Da dieser auch aktiv WoW spielte und immer mit mir darüber sprach, wurde sie neugierig und legte sich einen Account zu. Anschließend nutzte sie WoW als Chatplattform. Ihr Charakter war so miserabel entwickelt, dass man nur darüber schmunzeln konnte. Aber sie störte dies wenig, denn schließlich gab es genügend Menschen mit denen man sich unterhalten konnte.“
„Ich erinnere mich ebenfalls an Abende an denen ich einfach nur vor WoW saß, um mit anderen Spielern zu chatten. Ein paar mal geschah es, dass bei anderen Spielern, wie bei mir, nebenbei der Fernseher lief und man dasselbe Programm sah. Dann redete man über das, was da gerade über den Bildschirm flimmerte. Anschließend öffnete man ein Bier und stieß über den Chat miteinander an. Mir kam es manchmal so vor, als ob ich in einer Kneipe sitzen würde.“
Doch das Verrückteste was Michael in WoW erlebte, war eine Liebeserklärung. „Da ich immer einen weiblichen Charakter spielte, gab es immer mal wieder eine nette Message über das WoW System. Einmal sprach mich jemand an und sagte mir, dass ich die hübscheste Elfin in World of Warcraft sei und ob ich nicht Lust hätte mich mit ihm zu treffen, natürlich in der Realität. Er ging echt davon aus, dass ich auch in Wirklichkeit ein Mädchen wäre. Als Bekundung seines Interesses an mir, schenkte er mir sogar eine seltene Blume aus WoW. Ich musste mir damals wirklich etwas einfallen lassen und lies ihn über ein Gildenmitglied ausrichten, dass ich kein Interesse hätte.“
Wenn man Michael heute sieht, würde man nicht vermuten, dass er einmal so tief im World of Warcraft Universum eingetaucht war. Doch laut seinen Aussagen hinterließ WoW seine Spuren. „Ein Teil der Sprache, wie man sie in WoW täglich benutzt, ist in meinen aktiven Wortschatz eingeflossen. So verwende ich heute noch typische Abkürzungen wie KP oder LOL, was dann immer für verständnislose Blicke bei den Erwachsenen sorgt.“ Auf meine Frage ob er es jemals wieder versuchte, in WoW erneut Fuß zu fassen, nickte er nur. „Nachdem das erste AddOn erschien, stürmte ich in den Laden und wollte unbedingt wissen was einen da erwartet. Doch schon nach wenigen Minuten schaltete ich den Rechner wieder aus. Für mich war der Reiz, welchen das Spiel auf mich anfänglich ausstrahlte, für alle Zeit verflogen.“
Heute geht Michael mit dieser Zeit sehr locker um. Er war süchtig, dass behauptet er zu mindestens. Ob dies auch zukünftig mit einem anderen Spiel geschehen könnte, darüber muss Michael nur schmunzeln. „Solange meine Freundin mir die Leviden liest und mir beweist, dass das reelle Leben viel schönere Spiele zu bieten hat, mach ich mir darüber keine Sorgen. Und wie es zurzeit aussieht, werden noch viele sorgenfreie Jahre ins Land ziehen.“
1. Teil der Geschichte
2. Teil der Geschichte
Drei Monate später kam dann endlich die Mitteilung des Providers, dass jetzt ein DSL Anschluss möglich wäre. Zu spät für Michael. In der Zwischenzeit hatte er sich komplett aus WoW verabschiedet und sich anderen Dingen zugewandt. An dem Tag an den er das erste Mal seit seinem Umzug wieder in das Universum eintauchte, begann er damit, aktiv darüber nachzudenken was er jetzt mit seinem Charakter unternehmen möchte. Zum Schluss verkaufte er ihn und den Key für die Beta von „Burning of Crussade“ für 230 Euro bei Ebay. „Viele WoW Spieler denken, dass man mit dem Spiel Geld verdienen kann. Man puscht seinen Charakter nach oben und verkauft diesen anschließend. Wenn ich jedoch sehe, dass ich nur sowenig Geld für einen Top-Charakter bekam und mir hochrechne wie viel Zeit ich in WoW verbrachte, war dies für mich ein Minusgeschäft.“
Zurückblickend erinnert sich Michael jedoch auch an ein paar witzige Episoden aus seiner aktiven Spielerzeit. „Da war dieses Mädchen, eine Freundin von einem Freund von mir. Da dieser auch aktiv WoW spielte und immer mit mir darüber sprach, wurde sie neugierig und legte sich einen Account zu. Anschließend nutzte sie WoW als Chatplattform. Ihr Charakter war so miserabel entwickelt, dass man nur darüber schmunzeln konnte. Aber sie störte dies wenig, denn schließlich gab es genügend Menschen mit denen man sich unterhalten konnte.“
„Ich erinnere mich ebenfalls an Abende an denen ich einfach nur vor WoW saß, um mit anderen Spielern zu chatten. Ein paar mal geschah es, dass bei anderen Spielern, wie bei mir, nebenbei der Fernseher lief und man dasselbe Programm sah. Dann redete man über das, was da gerade über den Bildschirm flimmerte. Anschließend öffnete man ein Bier und stieß über den Chat miteinander an. Mir kam es manchmal so vor, als ob ich in einer Kneipe sitzen würde.“
Doch das Verrückteste was Michael in WoW erlebte, war eine Liebeserklärung. „Da ich immer einen weiblichen Charakter spielte, gab es immer mal wieder eine nette Message über das WoW System. Einmal sprach mich jemand an und sagte mir, dass ich die hübscheste Elfin in World of Warcraft sei und ob ich nicht Lust hätte mich mit ihm zu treffen, natürlich in der Realität. Er ging echt davon aus, dass ich auch in Wirklichkeit ein Mädchen wäre. Als Bekundung seines Interesses an mir, schenkte er mir sogar eine seltene Blume aus WoW. Ich musste mir damals wirklich etwas einfallen lassen und lies ihn über ein Gildenmitglied ausrichten, dass ich kein Interesse hätte.“
Wenn man Michael heute sieht, würde man nicht vermuten, dass er einmal so tief im World of Warcraft Universum eingetaucht war. Doch laut seinen Aussagen hinterließ WoW seine Spuren. „Ein Teil der Sprache, wie man sie in WoW täglich benutzt, ist in meinen aktiven Wortschatz eingeflossen. So verwende ich heute noch typische Abkürzungen wie KP oder LOL, was dann immer für verständnislose Blicke bei den Erwachsenen sorgt.“ Auf meine Frage ob er es jemals wieder versuchte, in WoW erneut Fuß zu fassen, nickte er nur. „Nachdem das erste AddOn erschien, stürmte ich in den Laden und wollte unbedingt wissen was einen da erwartet. Doch schon nach wenigen Minuten schaltete ich den Rechner wieder aus. Für mich war der Reiz, welchen das Spiel auf mich anfänglich ausstrahlte, für alle Zeit verflogen.“
Heute geht Michael mit dieser Zeit sehr locker um. Er war süchtig, dass behauptet er zu mindestens. Ob dies auch zukünftig mit einem anderen Spiel geschehen könnte, darüber muss Michael nur schmunzeln. „Solange meine Freundin mir die Leviden liest und mir beweist, dass das reelle Leben viel schönere Spiele zu bieten hat, mach ich mir darüber keine Sorgen. Und wie es zurzeit aussieht, werden noch viele sorgenfreie Jahre ins Land ziehen.“
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