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Allgemein24.03.2009, 00:43← Alle News

UPDATE: Diese Woche keine Intel Friday Night Games - Stuttgart verbietet E-Sport Event

TorstenTorsten1.356 LeserLesezeit 3 Min

Jede Woche tourt die Electronic Sports League durch die größten deutschen Städte und lockt mit der Veranstaltungs-Serie "Intel Friday Night Games" jedes Mal bis zu 1.500 Besucher auf die Offline-Events der derzeit größten E-Sport Liga. Doch nun hat der Veranstalter, Turtle Entertainment, einen Dämpfer verpasst bekommen.

UPDATE: Diese Woche keine Intel Friday Night Games - Stuttgart verbietet E-Sport Event
 Eigentlich sollte diesen Freitag die Liederhalle in Stuttgart als Veranstaltungsort für zahlreiche Zuschauer und Spieler zu den Offline-Begegnungen in den Spielen "Warcraft III" und "Counter-Strike" einladen. Wie immer war geplant, dieses Event durch unterhaltsame Moderationen und interessante Sponsoren-Präsentationen zu umrahmen, während auf einer großen Leinwand die Spiel-Begegnungen ausgestrahlt werden.

Nun jedoch wird daraus wohl nichts, denn die Stadt Stuttgart hat kurzerhand die Veranstaltung abgesagt. Begründung? Auch die gibt es! Erneut ist das "Killerspiel" Counter-Strike in den Medien durch die Gewaltverbrechen am 11. März heftig in die Kritik geraten. Es gilt als eines der Auslöser, die den jugendlichen Täter dazu gebracht haben sollen, 15 Menschen und dann sich selbst zu richten. Und so heißt es seitens der Stadt, dass man eine solche Veranstaltung derzeit nicht tolerieren könne, da sich die Tat in Winnenden und Wendlingen erst vor einigen Tagen ereignete. Beide Orte befinden sich unweit von Stuttgart.

Laut Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) sei man es den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer schuldig, es gar nicht erst zu diesem Event kommen zu lassen. Auch der medienpolitische Sprecher der Grünen im Landtag steht zu dieser Entscheidung. Jürgen Walter hierzu: "Es hat den Veranstaltern wohl an der nötigen Sensibilität gefehlt, sonst wären sie selbst darauf gekommen, wie instinktlos eine solche Veranstaltung eine Woche nach der zentralen Trauerfeier in Winnenden ist." Der Veranstalter Turtle Entertainment hat diesbezüglich noch keine Erklärung veröffentlicht. Wir werden euch aber auf dem Laufenden halten.

Update (24. März, 16:00 Uhr)

Soeben hat der Veranstalter auf der Website der Electronic Sports Leage Stellung zur Absage bezogen:

Das Intel Friday Night Game in Stuttgart am kommenden Freitag, 27. März, findet nicht statt. Der Mietvertrag für die Halle wurde uns am heutigen Dienstag gekündigt. Damit wird erstmalig in der siebenjährigen ESL Pro Series Geschichte ein Intel Friday Night Game abgesagt.
Die ESL distanziert sich von den öffentlichen Vorwürfen seitens des Hallenbetreibers. Der Dialog über eine Verschiebung der Veranstaltung oder die Verwendung anderer Spiele wurde von der Stadt nicht gesucht, obwohl Turtle Entertainment jederzeit dialogbereit und lösungsorientiert war und ist. Wir bedauern die Absage, denn das Event und die vorgelagerte Eltern-LAN wären eine ideale Möglichkeit gewesen, sich differenziert mit dem Thema Computerspiele als Teil unserer heutigen Jugendkultur auseinander zu setzen und die Mediennutzung junger Menschen zu thematisieren und zu diskutieren.

Durch die Absage per Fax am heutigen Dienstag - weniger als drei Tage vor Beginn des Aufbaus - ist es uns leider nicht möglich einen anderen Austragungsort zu finden. Strom-, Bühnen- und Netzwerkplanungen und vor allem das Anmieten von auf eine andere Halle zugeschnittenem Equipment sind so kurzfristig nicht möglich.

Wir suchen derzeit nach einem Ersatztermin für die laufende Saison. In welcher Form so ein Event stattfinden würde, können wir allerdings noch nicht sagen.

Die im Vorfeld des Intel Friday Night Games geplante Eltern LAN fällt dadurch leider aus. Ziel der Initiative ist es, Eltern, Pädagogen, Politikern und Vertretern der Presse die Auseinandersetzung mit dem Hobby "Computerspielen" zu erleichtern und unter pädagogischer Anleitung Vorurteile und Berührungsängste abzubauen. Die Eltern LAN wird gemeinsam veranstaltet mit spielbar.de, dem interaktiven Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), der Fachhochschule Köln mit dem Institut Spielraum und dem ComputerProjekt Köln e.V. mit dem Spieleratgeber-NRW.

Sobald uns weitere Informationen zum Thema Intel Friday Night Game Stuttgart vorliegen, teilen wir sie euch umgehend mit!


Quelle: http://www.esl.eu/de/pro-series/season14/news/82275/Kein-Intel-Friday-Night-Game-in-Stuttgart/

Bildergalerie

Kommentare 9
  • 0
    TorstenTorsten1. Kommentar

    Übrigens

    Prima Stimmung trotz Amoklauf. Die Schusswaffenhersteller lassen sich das Feiern nicht verbieten. Ein Rundgang auf der weltweit größten Waffenmesse in Nürnberg.

    Durchladen und klicken!
  • 0
    BaluBalu

    Mangelndes Feingefühl im Vorfeld

    Turtle Entertainment selbst, in Person von Ibrahim Mazari, Director Public Relations (Pressesprecher), soll da ja nicht ganz unschuldig sein. In einem Interview mit dem Stuttgarter Wochenblatt hat er sogar das Abhalten einer Schweigeminute, wie es unlängst bei sämtlichen Sportveranstaltungen deutschlandweit in den Tagen nach dem Unglück üblich war, abgelehnt.
    Gerade hier hätte ich mir doch mehr Fingerspitzengefühl gewünscht.

    Vielleicht hätte Turtle im Nachhinein betrachtet die Veranstaltung von sich aus absagen und auf einen anderen Termin verlegen sollen. Dafür hätte sicherlich jeder Verständnis gehabt.

    Davon ab, bedauerlich ist die Absage durch die Stadtverwaltung aber auch für die Nebenveranstaltung "Eltern-LAN" der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier hätte sicherlich eine gute Aufklärungsarbeit geleistet werden können.
  • 0
    BigBadAndyBigBadAndy

    oh je

    wie sagt man soo schön
    die dummen werden niemals alle
    Grudd BBA
  • 0
    agplayeragplayer

    eine kleine Frage

    Wie Balu vielleicht weiß, gibt es hier in Köln den Kölner Stadt Anzeiger. Zuletzt hat der einen Artikel zur "Computersucht unter Jugendlichen" veröffentlicht. Natürlich war Herr Pfeiffers vor kurzem herausgegebene Studie die einzige zum Thema.

    Meine Frage ist jetzt, was nur als unabsichtlicher Fehler gilt. In dem Artikel steht, dass Counter Strike ab 18 ist, aber das ist ja nur die in Deutschland nicht erhältliche Fassung. Warcraft (das Strategiespiel) wird ohne eine Zahl genannt, es heißt also einfach nur "Warcraft". Ich glaube aber, sie meinten Teil 3. Es gab aber auch noch andere Fehler, die mir jetzt nicht einfallen.

    Diese Fehler sind wahrscheinlich alle unabsichtlich gemacht worden. Doch müsste sich die Zeitung nicht entschuldigen, dem Leser falsche Informationene zugespielt zu haben?
  • 0
    RonnyRonny

    Zeitungsfehler

    @agplayer: Nein, entschuldigen müssen Sie sich nicht, jedoch kann man eine Richtigstellung fordern.
  • 0
    BaluBalu

    Kein Unterschied

    Die Presse macht da (leider) in den meisten Fällen keinen Unterschied zwischen "Warcraft III" und "World of Warcraft", wobei letzteres ja schon des Öfteren negativ durch die Presse geisterte. Allerdings nicht im Zusammenhang mit A...läufen oder Killerspielen, sondern wegen dem Dauergespiele und möglicher gesundheitlicher Schädigung.
    Die mangelnde Kenntnis der Computerspiel-Materie bei den Gazettenschreibern ist dafür verantwortlich. Meistens werden die Beiträge untereinander nur umgeschrieben und selten nachrecherchiert, daher merke: Derselbe Fehler wird selten korrigiert, aber oft kopiert.

    Davon ab... von den ganzen Pfeiffer'schen Studien kriege ich so langsam Pfeiffer'sches Drüsenfieber 😉
  • 0
    Goose13Goose13

    ...

    Was heisst hier pietätlos?
    Er Absage vorher, wäre ein Eingeständiss der Hersteller/Publisher das die Spiele doch etwas mit der emotionalen und sozialen Vernachlässigung von Tim K. zu tun hätten.
    Wäre das gleiche wenn Burger King sagt, es gibt nur noch Salat.
  • 0
    BaluBalu

    Meine ganz persönliche Meinung

    Eine Absage wäre sicherlich in den Augen der Gamer eine Kapitulation vor der öffentlichen Meinung gewesen, allerdings steht eben diese öffentliche Meinung gerade sehr stark gegen die Gamer-Gemeinschaft, was zweifelsfrei an Sensationspresse und mangelnden Kenntnissen der Öffentlichkeit über Computerspielen liegt.
    Wir haben es vermutet, wir lagen richtig - die Schnellschüsse waren wieder einmal in Sekunden abgegeben, die Computer-"Killer"-spiele sind vorrangig Schuld.

    Nun heisst es, Aufklärungsarbeit leisten, das Medium Computerspiel auf richtige Art und Weise vermitteln. Doch wie?

    Ein hervorragender Ansatz dazu ist die Zusammenarbeit von Turtle Entertainment - als Ausrichter von ESL und IFNG - mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Fachhochschule Köln mit dem Institut Spielraum und der ComputerProjekt Köln e.V. mit dem Spieleratgeber-NRW. Gemeinsam veranstalten sie während der IFNG im Vorlauf die Eltern-Lan, welche Eltern, Lehrern, sogar Politikern das fast "liebste Hobby" der Kinder und Jugendlichen näherbringen und die Auseinandersetzung damit erleichtern wollen.
    Durch die Absage der IFNG in Stuttgart seitens der Stadtverwaltung wird auch die Eltern-Lan in Mitleidenschaft gezogen, sie kann ebenso nicht stattfinden. Und ob es eine zweite Chance für eine IFNG zu einem späteren Zeitpunkt in Stuttgart oder Baden-Württemberg geben wird, steht derzeit in den Sternen.

    Deswegen muss man sich fragen, ob eine Absage oder kurzfristige Verlegung in ein anderes Bundesland vielleicht doch besser gewesen wäre. Baden-Württemberg und gerade Stuttgart wegen der räumlichen Nähe zum Unglücksort sind momentan denkbar ungeeignet - zu groß sind Schmerz, Trauer und Wut in der Region.
    Eine Schweigeminute wäre in meinen Augen das mindeste gewesen, was der Veranstalter hätte anbieten müssen - dieses wurde aber von vornherein ausgeschlossen.
    Ein Fehler, wie ich meine. Hier hätte man sich lieber der Öffentlichkeit beugen sollen, signalisieren: Wir haben Verständnis und trauern mit.

    Turtle braucht nach Angabe von Nemix bei lanparty.de eine Woche Vorplanung für eine IFNG. Heute sind es auf den Tag genau zwei Wochen seit dem Unglück. Noch am gleichen Tag begann die Sensationspresse, die Diskussion um "Killerspiele" neu anzufachen.
    Ich frage mich daher, warum hat Turtle nicht sofort reagiert? Man hätte ein Zeichen setzen können, indem man die Veranstaltung örtlich oder terminlich verlegt hätte. Was wäre passiert, wenn die Stuttgarter Liederhalle durch ein Feuer oder was auch immer plötzlich nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte? Ein Unternehmen wie Turtle wäre sichlich in der Lage gewesen, logistisch schnell zu reagieren und einen anderen Veranstaltungsort zu finden.

    Doch man hat abgewartet und sich darauf verlassen, dass doch alles wie geplant laufen wird. Sogar die zwischenzeitlich untersagte (und mittlerweile gerichtlich doch wieder genehmigte) Waffenmesse im nahen Sindelfingen hätte für Turtle ein Zeichen sein können, denn neben den "Killerspielen" waren die "Waffennarren" und "Schiesssportvereine" ebenso verantwortlich.

    Dazu kommt (und nicht nur am Rande), dass 2009 ein sogenanntes "Superwahljahr" ist - Europa-, Bundestags-, Landtags- sowie Kommunalwahlen stehen auf dem Programm - Politiker müssen sich profilieren und Stimmen fangen. Da passt die "Killerspiel"-Diskussion im Zusammenhang mit einer moralisch und ethisch verwahrlosten Jugend doch hervorragend in den Wahlkampf.

    Langer Rede, kurzer Sinn... Wir, die Gamer, stehen derzeit genauso im Kreuzfeuer wie die ganze Computerspiel-Industrie und auch Ausrichter wie eben Turtle. Wenn man sich dazu noch die ganzen peinlichen und hirnlosen Kommentare im ESL-Forum anschaut, dann heisst es doch momentan besser: Ruhig bleiben, Aufklärungsarbeit leisten und möglichst keine Angriffsfläche bieten.

    Denn sonst könnten sich noch weitere Städte der Stuttgarter Entscheidung anschliessen und das war es dann mit der IFNG. Das wäre ein herber Schlag gegen den eSport.
  • 0
    TorstenTorsten

    Schweigeminute?

    Ganz ehrlich, ich halte soetwas für heuchlerischen Quatsch.

    Schon der Umstand, dass gleichzeitig die Eltern-Lanparty auf dem Plan stand und Ibrahim im Interview auch explizit darauf hinwies, dass man die IFNG sowie die ESL auch als gemeinsames Forum zum Gedanken- und Meinungsaustausch nutzt, zeigt doch, dass man sich auf jeden Fall mit dem Thema auseinandersetzen möchte - und zwar auf die Art, wie man sie am besten für richtig hält und nicht auf die Weise, wie man sie aufgebürdet bekommt. Denn gerade das hätte ja dann diesen Beigeschmack von "naja, wir müssen das halt machen, die anderen machen's ja auch" - ich will zwar nicht, aber ich muss. So etwas endet dann nur in halbherzigem Aktionismus.

    Nebenbei... Wir haben Ibrahim vor 2 oder 3 Jahren auf der Games Convention kennengelernt. Ich denk schon, dass er weiß was er tut und mit dem Herzen dabei ist. Und als gelernter Sozialwissenschaftler wird er sich sicher schon im Vorfeld über die Konsequenzen seiner Verneinung auf die Frage, ob denn eine Schweigeminute eingeplant sei, bewusst gewesen sein. Zumindest schätze ich ihn so ein.

    Es gibt heute nur noch wenige, die im Rampenlicht der Medien stehen und dabei souverän und ehrlich Entscheidungen treffen, obwohl dadurch deren Medienimage ein paar Kratzer verpasst bekommen könnte.
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